Bericht Hawassa Oktober 2018

Werkstätten


Es wurde ein Abkommen mit der GIZ ausgehandelt: die GIZ führt jedes Jahr mehrere Fortbildungen für Solartechnik-Händler und -installateure in unseren Werkstätten durch. Dafür hilft uns die GIZ beim Erwerb von Lehrmaterialien. Inzwischen ist wieder ein Lehrer und Leiter für den Solarbereich eingestellt worden. Ab April 2019 soll ein neues NGO Gesetz in Äthiopien in Kraft treten, das uns dann auch ermöglichen wird, in unseren Werkstätten zu produzieren und die produzierten Waren problemlos zu verkaufen. Wir erhoffen uns für den Metall, den Holz- und den Solarbereich einen starken Aufschwung. Nächstes Jahr werden ca. 400 Jugendliche eine Ausbildung in unseren Werkstätten machen. Für nächstes Jahr sind über Spenden der Bau einer neuen Werkhalle für den Metallbereich und ein neues Gebäude für Unterrichtsräume plus Bibliothek geplant.


Kinder im Center


Die Zahl der Kinder, die im Center leben, hat sich auf 50 erhöht. Es sind im letzten Sommer keine Kinder zu Verwandten geschickt worden, sondern alle im Center verblieben (das ist eine Auswirkung der neuen Richtlinien der neuen Regierung, die hier wesentlich weniger streng ist als die alte). Falls wir neue Kinder aufnehmen sollten (in 2019 sind es nach derzeitigem Stand nur 93 Kinder, die wir betreuen), könnte sich die Zahl der Kinder im Center noch weiter erhöhen. Wir planen daher für nächstes Jahr den Bau eines weiteren Schlafhauses mit drei Schlafräumen für Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren. Das neue Gebäude soll keinen Aufenthaltsraum und keine sonstigen Nebenräume haben. Die Infrastruktur soll vom unteren der beiden Wohn- und Schlafhäuser mitgenutzt werden. In 2017 und 2018 sind (auch mit Hilfe des Vereins in Beverungen) die dringendsten Instandsetzungsarbeiten bei den Wohn- und Schlafhäusern erledigt worden. Zudem wurde der große Spiel- und Sportplatz in der Mitte des Centers komplett neu gestaltet und der Kinderspielplatz mit Rutsche, Karusell und Schaukeln komplett saniert.


Outside children

Die Zahl der Kinder, die bei Verwandten oder in Wohngemeinschaften leben, ist zurückgegangen. Insgesamt ist die Betreuung dieser Kinder (bzw. Jugendlichen) gegenüber der Situation vor zwei Jahren deutlich verbessert. Dennoch bleibt hier

noch „Luft nach oben“, insbesondere was die Unterstützung des Lernens für die Schule angeht. Die Kooperation der Verwandten, bei denen einige unserer älteren Kinder lebt, ist zudem höchst unterschiedlich.


Bildung

Wir haben nun einen großen Teil unserer Kinder in der „Mount Olive School“ angemeldet, die eine deutlich bessere Leistungsbilanz aufweist als die „Union Academy“, bei der früher fast alle unsere Kinder waren. Leider haben zwei der sechs Kinder, die die Abschlussprüfung der 10. Klasse gemacht haben, nicht die notwendige Punktzahl erreicht, um in der 11. Klasse im „preparatory college“ weiter Richtung Uni gehen zu können. Zwei der vier Jugendlichen, die die 12. Klasse Abschlussprüfung gemacht haben, haben die Zulassung zur Universität geschafft, die beiden anderen werden auf einem College studieren. Es ist jetzt ein neues Schulgesetz in Kraft getreten, das weitgehende Änderungen mit sich bringen wird. So soll es künftig nationale Abschlussprüfungen nach der 8. und nach der 12. Klasse geben. Das heißt einerseits, das es die Möglichkeit zur Berufsausbildung schon nach der 8. Klasse geben wird, andererseits aber auch, dass alle qualifizierteren Ausbildungen, die jetzt z.T schon ab der 10. Klasse möglich waren, jetzt den 12. Klasse Abschluss erfordern. Für uns wird dies weitreichende Konsequenzen haben. Ab diesem Semester haben wir 12 Studierende an den Universitäten.

Community Development Program

Seit zwei Jahren haben wir eine dritte Säule in unserem Projekt, das Community Development Program (CDP), in dem wir insbesondere alleinerziehende Mütter, aber auch Ältere und Behinderte aus dem Quartier unterstützen. Dieses Programm kommt sowohl bei den Behörden als auch bei den Begünstigten sehr gut an. In 2018 konnten wir dank einer großzügigen Unterstützung durch eine Berliner Stiftung erstens die monatliche Unterstützung pro Familie erhöhen, zweitens eine zusätzliche Unterstützung je Kind in der Familie gewähren und drittens die Zahl der Begünstigten deutlich erhöhen. Zusätzlich unterstützen wir die Familien, in dem wir den Kindern den Schulbesuch ermöglichen. Für 2019 wollen wir die Zahl der Begünstigten nochmals von 50 auf 68 Familien erhöhen.


Personal und Organisation

Wir haben den Eindruck, dass die Situation des Personals derzeit so gut ist wie lange nicht mehr. Es gibt wenig Personalfluktuation, es herrscht ein gutes Arbeitsklima und die Organisation des Projekts läuft ziemlich reibungslos. Besonders erfreulich, dass

an den Wochenenden wieder attraktives Programm für die Kinder, auch für die Outside Children, angeboten wird. Dazu trägt auch das Sport-, Tanz- und Akrobatikprogramm, das Biniam, einer unserer Ehemaligen mit seiner Kollegin freitags und sonntags anbietet. Die Kinder sind total begeistert. Auch das Standing der Hausmütter (und ihre Bezahlung) hat sich in den letzten Jahren signifikant verbessert. Erstmalig wird es dieses Jahr (wie für das Ausbildungszentrum schon seit vielen Jahren) auch für das Kindercenter ein Jahrbuch geben. Dieses kann bei uns bei Interesse angefordert werden. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Haltung der Regierung/der Behörden gegenüber NGOs im Allgemeinen und gegenüber Kinderheimen im Besonderen deutlich positiver geworden ist und unsere Zusammenarbeit mit diesen deutlich entspannter ist als vor einigen Jahren.

Danke !

Wir möchten uns an dieser Stelle, auch im Namen der Angestellten und der Kinder und der anderen Begünstigten unseres Projekts ganz herzlich bei Ihnen/Euch für die meist schon langjährige Unterstützung unseres Projekts bedanken. Unsere Arbeit wäre ohne Ihre/Euere dauerhafte wundervolle Unterstützung nicht möglich. Wir haben mittlerweile eine volle Generation an Kindern und Jugendlichen betreut und ins Erwachsenen-Leben geführt (von den Kindern „der ersten Stunde“ haben inzwischen die letzten das Center verlassen). Dabei gab es Hochs und Tiefs, viele, viele Erfolge und einige Misserfolge. Aber unterm Strich haben wir einer Generation Kinder und Jugendlicher ermöglicht, als Erwachsene ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Das macht uns glücklich und stolz. Und das haben Sie ermöglicht. Herzlichen Dank dafür!