Reisebericht Hawassa Januar 2017

von Hendrijk Guzzoni


Entwicklungen im Center

Derzeit betreuen wir 98 Kinder. Davon leben 43 im Center und 38 außerhalb (je zur Hälfte bei Angehörigen und in betreuten Wohngemeinschaften). Weitere 17 Kinder gehen zur Universität oder auf das College, werden über das neue „Community Support Program“ unterstützt. Im März wollen wir auf Bitten der Behörden fünf weitere Kinder im Center aufnehmen. Problematisch ist die Steigerung der Lebensmittelpreise. Wir werden eine Erhöhung des Essensbudgets vornehmen (müssen). Ansonsten geht es den Kindern im Center in allen Beziehungen sehr gut, die Betreuung durch die Hausmütter ist sehr gut, die schulische und die gesundheitliche Situation sehr befriedigend.


Bezüglich der älteren Kinder, die außerhalb des Centers leben, sehen wir die Betreuung durch das Center, bzw. die Sozialarbeiter wieder auf einem besseren Weg. Unsere im November geäußerte Kritik ist angenommen wurden und es werden - auch dank Maries Tätigkeit im Dezember/Januar - Maßnahmen ergriffen, die Situation zu verbessern. Unter anderem wollen wir wieder durchsetzen, dass alle Kinder mindestens jeden zweiten Samstag ins Center kommen und es dort für alle ein attraktives inhaltliches Programm und ge-meinsame Gespräche gibt. Positive Resultate erhoffen wir uns dadurch, dass wir einen Sozialarbeiter eingestellt haben, der ausschließlich und schwerpunktmäßig für die Verbesserung der schulischen Leistungen, der Koordination der Hausaufgabenhilfe zuständig ist und der auch regelmäßigen Kontakt zu den Lehrern unserer Kinder hält.

Wir haben auch festgestellt, dass unsere Studierenden besondere Unterstützung bedürfen: Erstmals von zuhause weg, hohe Leistungsanforderungen, schlechtes Mensaessen etc. Die Studierenden brauchen daher regelmäßige Ansprache und Unterstützung.


Neues aus den Werkstätten

Die Werkstätten sind auf einem guten Weg und bei den Behörden hoch angesehen. Letztes Jahr hatten unsere Auszubildenden die besten Ergebnisse aller Colleges im Süden Äthiopiens. Im Jahr 2017 sollen insgesamt 350 junge Menschen eine Berufsausbildung bei uns erhalten. Darunter 100 junge Textilfacharbeiterinnen, die eine dreimonatige Ausbildung als Schneiderin erhalten. Diese haben bereits fest eine Arbeitsstelle in einer Fabrik im neuen Industriegebiet Hawassas zugesagt bekommen.

Im Solarbereich gibt es eine (im Aufbau befindliche) Kooperation sowohl mit einer kommerziellen Solarfabrik aus Nord-Äthiopien als auch mit der Universität Hawassa und mit der deutschen GIZ im Bereich Solar-Ausbildung.

Unsere Werkstätten haben außerdem eine Lizenz beantragt, um eine kommerzielle Produktions- und Verkaufsabteilung aufbauen zu können. Diese wäre dann einem kommerziellen Betrieb gleichgestellt (und umsatzsteuerpflichtig), ohne dass die Gemeinnützigkeit der Werkstätten insgesamt verloren geht. Die Überschüsse werden dem Kinderprojekt zugute kommen.


Community Support Program

Ebenso positiv entwickelt sich das „Community Support Program“. Neben jungen Menschen, die auf die Universität oder ein College gehen (viele davon „unsere Kinder“, werden insbesondere arbeitslose alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern, sowie Alte und Behinderte unterstützt. Einige mit Hilfe zum Leben, andere mit einem kleinen Start-up-Kapital, um einen kleinen Laden oder ähnliches aufmachen zu können. Insgesamt werden dieses Jahr ca. 45 Personen gefördert und unterstützt, wovon insgesamt über 100 Menschen direkt profitieren. Wir überlegen, ob es möglich ist, die Unterstützung künftig effektiver zu gestalten, z. B. das Schulgeld für die Kinder junger Mütter zu übernehmen, damit diese die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu machen oder für ältere und behinderte Menschen eine Krankenversicherung zu übernehmen …


Übrigens: Hawassa gilt als ein zentraler Knotenpunkt für einen der größten “Migrationskorridore” Afrikas. Vom UN-Flüchtlingskommissariat bis zu den lokalen Behörden sind sich alle zuständigen Stellen einig, dass die Schaffung von Bildungschancen und von Arbeitsplätzen und damit von Lebensperspektive die wesentliche Maßnahme ist, die Migration eindämmen kann. Und dass Hawassa dafür einer der bedeutendsten “hotspots” Afrikas ist.


Herzliche Grüße & salaam

Hendrijk Guzzoni